Lehrprofil

Lehrprofil

 

1. Lehransätze
1.1 Fachspezifische Ziele
1.2 Lehrziele/Methodologie
1.3 Eigene Motivation und Selbstverständnis als Lehrender

2. Inhalte und Verantwortlichkeiten in der Lehre und Prüfung
2.1 Bisherige Lehrgebiete
2.2 Studierendenprofil/-betreuung

3. Lehrmethoden in der Praxis der Lehre
3.1 Veranstaltungsablauf
3.2 Veranstaltungsformen/Seminarmethoden

4. Bemühungen zur Verbesserung der Lehre

 


1. Lehransätze

1.1 Fachspezifische Ziele

Ich lehre das Fach Soziologie. Unter Soziologie verstehe ich die Wissenschaft der methodisch kontrollierten Erfassung gesellschaftlicher Zusammenhänge im weitesten Sinne, die theoretisch systematisierend angeleitet und reflektiert wird. In meiner Lehre, die sowohl theoretisch als auch empirische Veranstaltungen umfasst, will ich den Studierenden die zentrale Bedeutung soziologischer Analysen sowohl für das gesellschaftliche Zusammenleben als auch für das Leben in den jeweiligen Lebenswelten vermitteln; ebenso wie interessant soziologische Forschung und Theoriebildung sein können und wie anhand soziologischer Forschung die Realität theoretisch und methodisch beschrieben, erklärt, interpretiert und analysiert werden kann. Ferner sollen die Studierenden in meinen Lehrveranstaltungen systematisch fachspezifische Kompetenzen und Grundlagen für die Urteilsfähigkeit im Umgang mit soziologischem Wissen erwerben. Ihnen soll ermöglicht werden, wissenschaftliches Denken mit Motivation und Begeisterung zu erlernen und in ihren späteren Berufsfeldern einen verantwortlichen Umgang damit auszubilden. Da die Soziologie auch ein klassisches Nebenfach ist, ist es mir auch ein Anliegen, im interdisziplinären Diskurs den soziologischen Blick auf das Soziale zu schärfen und einen Umgang mit Mitteln und Ergebnissen der Soziologie zu ermöglichen.
Mein Ziel ist es, die Studierenden für das Fach Soziologie zu begeistern und bei den Studierenden Lernprozesse zu initiieren, mit denen einerseits Wissen vermittelt wird und andererseits Anreize zum selbstständigen sowie teamorientierten Arbeiten gegeben werden. Die Studierenden sollen damit auch auf die verschiedenen Berufsfelder vorbereitet werden.

Die Ziele, die ich in gemeinsamer Arbeit mit den Studierenden zu erreichen versuche, sind – in systematischer Form – folgende:

1. Den Studierenden soll Wissen, d.h. die Fähigkeit zur Wiedergabe und praktischen Handhabung von wichtigen soziologischen Schlüsselbegriffen, Theorien, Methoden und Prinzipien vermittelt werden. Dabei werden explizit verschiedene Perspektiven und Sichtweisen soziologischen Wissens und v. a. auch angrenzender Gebiete angesprochen, um einerseits die Vielfalt des Faches darzulegen und andererseits die Studierenden zu netzwerkartigem Denken anzuregen.

2. Ich will zur Reorganisation des Erlernten beitragen, d.h., dass die Studierenden dazu befähigt und angeregt werden, Sachverhalte zu erklären, zu interpretieren, zuzuordnen und mögliche Entwicklungen vorauszusagen oder abzuschätzen. 

3. Den Studierenden soll vermittelt werden, wie soziologisches Wissen angewendet wird und auf neuartige Situationen übertragen werden kann.

4. Die Studierenden erhalten die Fähigkeit, das Gelernte zu bewerten, eigenständige Problemlösungen zu entwickeln und zu begründen, neue Fragen zu konstruieren sowie in diskursiven Formen (Diskussionen, Artikeln, Hausarbeitsjournal, Projektplanungen) zu synthetisieren.

Langfristige Ziele meiner Lehre bestehen darin, dass die Studierenden in ihrem Studium sowohl verschiedene wissenschaftliche Lernmethoden als auch soziologische Theorien und Forschungsmethoden kennen lernen, mit denen sie befähigt werden, selbstständig oder im Team in ihrem jeweiligen Berufsfeld Problemkonstellationen zu erkennen, Fragen zu formulieren, sich weiterzubilden und die Probleme und Aufgabenstellungen zu lösen. Meines Erachtens sind heutzutage sowohl in der Forschung als auch in anderen Berufsbereichen die Fähigkeiten, gemeinsam oder selbstständig Problemlösungsversuche auf bestimmte Anforderungen zu finden sowie ein fortlaufendes Lernen, essentiell. Ich versuche, den Studierenden zu helfen, die erforderlichen Fähigkeiten dafür zu gewinnen, indem ich ihnen in meiner Lehre das erforderliche Handwerkszeug soziologischer Theorien und Methoden mitgebe und meine Begeisterung für das Fach mit ihnen teile bzw. ihnen mitteile. Insofern verstehe ich meine Lehre neben der Motivierung zur Soziologie und des Wissenstransfers insbesondere als eine Berufsvorbereitung und -ausbildung, die den Soziologiestudentinnen und -studenten Schlüsselqualifikationen wie Sozial- und Kommunikationskompetenz, theoriegeleitete Handlungskompetenz, Teamfähigkeit, Selbstorganisation, soziale und wissenschaftliche Verantwortung sowie Theorien/Methoden für weitere Forschungen oder für weitere Bildungs- und Lernprozesse vermittelt.

1.2 Lehrziele/Methodologie

Die wesentlichen Ziele meiner Lehre bestehen insbesondere darin, die Studierenden zum aktiven Lernen zu motivieren und sie für das Fach Soziologie zu begeistern. Ich halte die Motivierung zu selbstständigem Arbeiten und aktivem Lernen sowie die Entwicklung einer Begeisterung für das Fach für die wichtigsten Grundlagen zur Initiierung von Lernprozessen und der Vermittlung von Wissen. Um die Studierenden für das Fach zu interessieren und ihnen das benötigte Wissen zu vermitteln, verfolge ich verschiedene Motivationsstrategien:

  1. Erfolgsergebnisse: Erfolge sollen gefördert werden. Dieses Ziel versuche ich in meinen Lehrveranstaltungen insbesondere durch Ermutigungen im Sinne positiver “feedbacks” an die Studierenden zu erreichen, durch den langsamen Anstieg des Schwierigkeitsgrades der Lerninhalte und durch eine verständliche Präsentation, wobei ich meistens Tafelbilder oder Folien benutze. Diese dienen sowohl zum Sammeln und zur visuellen Rekonstruktion der zuvor gemeinsam erarbeiteten Lerninhalte als auch der “Ergebnissicherung” und der orientierenden Verdeutlichung der Lehrziele.
  2. Besondere Motivation versuche ich durch den Praxisbezug herzustellen: ich denke, dass die Studierenden dann ein Interesse für das Fach entwickeln, wenn sie sowohl die verschiedenen Praxisfelder (innerhalb und außerhalb der Universität) als auch den Anwendungsbezug der Soziologie kennen lernen. Praxisbezug bedeutet für mich darüber hinaus, in meinen Lehrveranstaltungen die Erfahrungen der Studierenden einzubeziehen und die Studierenden selbst durch problemorientiertes und entdeckendes Lernen am Lernprozess kreativ teilhaben zu lassen. So wurde beispielsweise in einem von mir durchgeführten Seminar mit dem Titel “Soziologie der Freundschaft” ein Projekt initiiert, indem die Studierenden, organisiert in Teams, vor dem Hintergrund der dazugehörenden soziologischen Theorien eine kleine empirische, qualitative Erhebung zu Freundschaft konzipiert, durchgeführt und ausgewertet haben. Die Ergebnisse der Interviews wurden dann im Seminar diskutiert und interpretiert und auf die besprochenen Theorien rückbezogen.
  3. Neugier wecken: Lernprozesse werden meines Erachtens auch über planvolle Irritationen oder Überraschungen initiiert. Die Neugierde wird dann geweckt, wenn nicht schon fertige Problemlösungen angeboten werden, sondern die Studierenden sowohl an der Fragenkonstruktion als auch an den Problemlösungsversuchen beteiligt werden. Ebenso versuche ich möglichst auch eine methodische Vielfalt zu verwenden (vgl. 3. Lehrmethoden), um die Aufmerksamkeit der Studierenden zu erhöhen.
  4. Interdisziplinarität/Intradisziplinarität: Durch eine Bearbeitung von Themen, die auch über die Disziplingrenzen der Disziplin und über Spezialfälle innerhalb der Disziplin hinausgehen, versuche ich das Interesse der Studierenden zu wecken. So zeigte meine bisherige Erfahrung, dass gerade die Verbindung von Soziologie mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen (Philosophie, Ethnologie, Psychologie, Politikwissenschaften etc.) sowie insbesondere eine historische Perspektive das Interesse der Studierenden, selbstständig und motiviert zu lernen, wesentlich erhöhte. Außerdem halte ich gemäß eines Humboldtschen Bildungsideals eine fächerübergreifende Allgemeinbildung für sehr wichtig; nicht nur aus dem Grund, dass der Einblick in verschiedene, auch gegensätzliche Perspektiven zum wissenschaftlichen Arbeiten und Erforschen dazu gehört, sondern auch, weil durch Inter- und Intradisziplinarität netzwerkartiges und logisches Denken gefördert wird, das zur weiteren Motivation beiträgt. So ist meiner bisherigen Erfahrung nach der sogenannte “Aha-Effekt” motivierend, d.h., wenn plötzliche, bislang unbemerkte inter- und intradisziplinäre Zusammenhänge erkannt werden.
  5. “Roter Faden”/Transparenz: Zu Semesterbeginn erhalten die Studierenden von mir einen “Semesterfahrplan”, durch den sie einen Überblick über das Programm und die relevanten Literaturhinweise erhalten. Sie bekommen ferner durch die Kommentierung der Lehrveranstaltung im Vorlesungsverzeichnis einen Einstieg und einen Hinweis auf die wesentlichen Themen der Veranstaltung. Zu Beginn jeder Veranstaltung nehme ich auf die vorangegangenen Lerninhalte Bezug. Dadurch soll zielgerichtetes und orientiertes Lernen ermöglicht werden. Vertieft und nachbereitet werden kann die Sitzung – soweit vorhanden – auch durch tele- und multimediale Lernprozesse, die den Lernerfolg über die Veranstaltungszeiten hinaus sichern sollen (vgl. auch 3. Lehrmethoden).


1.3 Eigene Motivation und Selbstverständnis als Lehrender

Während meines Studiums habe ich ab dem dritten Semester für Erstsemesterinnen und Erstsemester im Studiengang Soziologie Tutorien angeboten. Die Tutorien, die teilweise selbstorganisiert waren oder im Anschluss an Einführungsveranstaltungen stattfanden, behandelten verschiedene Themen: Einerseits galten sie der Einführung in wissenschaftliches Arbeiten (Referate, Protokolle, Hausarbeiten, Thesenpapier) und der Erarbeitung soziologischer Grundlagen und andererseits widmeten sie sich der lebensweltlichen Begleitung der Studierenden an der Universität. Durch die Arbeit als Tutor erfuhr ich das erste Mal, wie viel Spaß und Freude mir Lehre, Wissensvermittlung, Lernbegleitung und Motivierung von Studierenden macht.

Weil ich zugleich Student und Tutor war, entwickelte ich eine Dozentenrolle, die nicht einen prinzipiellen Unterschied zwischen Dozent/Studierender macht, sondern von einer graduellen Differenz ausgeht. Ich denke, dass Lernprozesse und Motivation insbesondere dann ermöglicht werden, wenn man mit den Studierenden in einem reziprok-dialogischen Verhältnis steht, das eine gemeinsame Lernatmosphäre erleichtert und Lernprozesse “sokratisch” initiiert. Die Studierenden werden in diesem Sinne als Lernende betrachtet, die trotz meiner Begleitung eigenverantwortlich für ihr Lernen sind. Der Perspektivenwechsel zwischen Tutorperspektive und Studentenperspektive ermöglichte mir auch in meiner anschließenden Dozentenrolle eine relative Ungebundenheit des Denkstandortes, so dass heterogene Sichtweisen berücksichtigt, toleriert und verstanden werden konnten. Ich will insbesondere eine persönliche Atmosphäre schaffen, in der Studierende keine Furcht haben müssen, verspottet oder bloßgestellt zu werden, sondern vielmehr zur Beteiligung an Diskussionen oder Projekten ermutigt sind.

Einen zentralen Eindruck erfuhr ich ebenfalls von verschiedenen Hochschullehrern, deren Art der Lehre ich beobachtete und deren Lehre mich entweder beeindruckte oder enttäuschte. Besonders hilfreich für meine frühe Lehr- und Lernerfahrung als Dozent waren die gemeinsamen Durchführungen einer Lehrveranstaltung und eines Diplomandenkolloquiums mit meinem Doktorvater Prof. Dr. Lothar Peter. Von ihm lernte ich u.a., die Studierenden nach jeder Veranstaltung zu fragen, wie sie die Sitzungen erlebt haben, was sie positiv oder negativ empfunden haben und wie wir gemeinsam eventuelle Verbesserungen vornehmen können. Dieses “feedback” der Studierenden ist für mich und meine Veranstaltungsplanung sehr wichtig und lehrreich, weil ich dadurch wichtige Rückversicherungen erfahre, Vorschläge und Hinweise für weitere Veranstaltungen berücksichtigen und meine Rolle als Dozent reflektieren kann.

Wichtig waren auch die unterschiedlichen Eindrücke und Lehrerfahrungen, die ich durch den Wechsel von der Uni Bremen zur Uni Freiburg, Uni Konstanz, Uni Erfurt, Uni Jena und Uni Graz bekommen habe.

 

2. Inhalte und Verantwortlichkeiten in der Lehre und Prüfung

2.1 Bisherige Lehrgebiete

Meine Lehrveranstaltungen lassen sich den Bereichen “Allgemeine Soziologie”, “Soziologische Theorie”, “Ideen- bzw. Soziologiegeschichte” und “Spezielle Soziologie”, hier speziell Kultur-, Religions- und Wissenssoziologie zuordnen.
Im Bereich der Allgemeinen Soziologie gebe ich hauptsächlich Veranstaltungen zu makro- und mikrosoziologischen Themen, wie z.B. die Veranstaltungen “Theorien gesellschaftlicher Differenzierung”, “Soziologie der Freundschaft” sowie zu Soziologischer Theorie, z.B. zu “Soziologische Theorien der Gegenwart” oder “Soziologische Theorien der Integration” bezeugen.
Bislang sind im Themengebiet der Speziellen Soziologie vor allem im Bereich der Kultursoziologie, der Wissenssoziologie sowie zu Religionssoziologie und Kulturanthropologie Veranstaltungen von mir angeboten worden. Im Bereich der Speziellen Soziologie habe ich mich – über die Sektionen Religionssoziologie, Kultursoziologie und Wissenssoziologie hinaus – auch auf die Bereiche Soziologiegeschichte, Intellektuellensoziologie, gender studies, Ethnologie und Politische Soziologie spezialisiert. Diese Themengebiete wurden in meinen Veranstaltungen immer mitbehandelt.
Qualitative Sozialforschung, insbesondere kultur- und religionsethnographische Forschungen, spielen in meinen Seminaren, auch wenn dies nicht ausdrücklich im Titel erscheint, ebenfalls eine Rolle. Da ich zur Motivationssteigerung in meinen Veranstaltungen eine ausgewogene Theorie-Praxis-Relation aufrecht erhalten möchte, versuche ich die Studierenden, wenn es thematisch passt, in den jeweiligen Veranstaltungen zu kleinen empirischen Erhebungen anzuleiten, anhand derer die gelernten soziologischen Ansätze verdeutlicht, in Praxis umgesetzt und vertieft werden können. Besonders gut klappt das in Projektseminaren, wie ich es beispielsweise während meiner Vertretungsprofessur in Konstanz zu “Neue Formen des religiösen Lebens” durchgeführt habe und wo ich im Anschluss an ein Methodenseminar zu Religionsethnographie religionsethnographische Studien anfertigen ließ.

2.2 Studierendenprofil/-betreuung

Die Studierenden meiner Veranstaltungen befanden sich in Bremen sowohl im Hauptstudium als auch im Grundstudium des Magister- und Diplomstudiengangs Soziologie, in Konstanz, Erfurt, Jena und Graz im Bachelor- und Masterstudium; einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind ältere erwachsene Studierende und Gasthörerinnen/Gasthörer. Studierende außerhalb des Faches Soziologie kamen in der Regel aus den Kulturwissenschaften, Ethnologie, historische Anthropologie, Psychologie, Philosophie, Politik, Wirtschafts-, Religions-, Kommunikations- und Erziehungswissenschaften.
Waren zu Beginn meiner Lehrtätigkeit in den Lehrveranstaltungen ca. 10 Personen, beträgt die Anzahl der Studierenden meiner Veranstaltungen der letzten Semester im Durchschnitt 25-40 Personen. In den Veranstaltungen konnten Leistungsnachweise (“große Scheine” bzw. 6 Pt., kleine Scheine bzw. 3 Pt.) und erfolgreiche Teilnahme-Nachweise erbracht werden. Durchschnittlich wurden in den Veranstaltungen 25 Leistungsnachweise (Hausarbeiten und Referat) geschrieben und ca. 15 erfolgreiche Teilnahmen entweder durch ein Kurzreferat oder ein Protokoll erlangt.
Ich kenne die Studierenden meistens von den Anfangs- und Vorstellungsrunden her namentlich; jede und jeder kann mit mir einen Termin vereinbaren oder mich telefonisch, per e-mail oder über die Internet-Seite der Veranstaltung (falls an der Uni vorhanden) erreichen und wird individuell beraten. Wenn sich die Studierenden noch im Grundstudium befinden, gebe ich ihnen am Anfang des Semesters Hinweise zu Techniken wissenschaftlichen Arbeitens (Referat, Protokoll, Thesenpapier, Hausarbeit, Literaturrecherche), die ich dann gegebenenfalls in Beratungsgesprächen individuell vertiefe.
Vor mündlichen Prüfungen ermuntere ich die Studierenden dazu, die prüfungsrelevanten Themen nach dem Erlernen auf einem Thesenpapier festzuhalten und sich anhand des Thesenpapiers auf die Prüfung vorzubereiten. Aus eigener Erfahrung mit Prüfungen habe ich die Vorzüge dieser Methode kennen gelernt, da sie hilft, die gelernten Themen für die mündliche Prüfung zu strukturieren, Redetaktiken auszuprobieren und eine treffende Wortwahl einzuüben.

 

3. Lehrmethoden in der Praxis der Lehre

3.1 Veranstaltungsablauf

Der idealtypische Ablauf meiner Lehrveranstaltungen lässt sich folgendermaßen skizzieren:

  1. Orientieren: Zu Beginn der Veranstaltung werden Fragen zur letzten Sitzung geklärt, um alle Studierende möglichst auf dem gleichen Wissensstand zu halten, den “Roten Faden” aufzunehmen und zielorientiertes Lernen zu ermöglichen. Anschließend wird das Sitzungsziel und der Veranstaltungsablauf festgelegt und die Lehrziele definiert.
  1. Informieren: Die Lerninhalte werden dargestellt. Dies geschieht mittels verschiedener Seminarmethoden (z.B. Textseminar, Referatseminar, frontaler Veranstaltung, handlungszentriertem Seminar), die ich in Punkt 3.2 darlege.
  2. Diskutieren: Die Diskussion dient dem Austausch unterschiedlicher Sichtweisen und der Reflexion. Durch die Diskussion soll allen Beteiligten des Seminars die Möglichkeit gegeben werden, die gewonnen Lerninhalte anzuwenden, zu interpretieren und zu beurteilen; es soll zu eigenem und weiteren Nachdenkien angestiftet werden.
  3. Evaluieren: Diese Phase orientiert sich an folgenden Fragen: Sind die Informationen ausreichend in Bezug auf das Lernziel? Ist jetzt Klarheit gewonnen? Welche Ergänzungen fehlen? Die Fragen sollen etwaige Unklarheiten bezüglich des Lerninhalts möglichst gering halten bzw. beseitigen.
  4. Ergebnissicherung: Sofern dies nicht schon während der Informationsphase geschehen ist, werden nach der Klärung etwaiger Fragen die Ergebnisse visualisiert. In meinen Lehrveranstaltungen geschieht dies in der Hauptsache durch Thesenpapiere, Skripte und Tafelbilder und Folien. Da viele Studierende mir berichteten, dass sie bei Overhead-Folien oftmals überfordert seien, gleichzeitig abzuschreiben und zuzuhören, ist bei Tafelbildern das Tempo zwar etwas geringer, aber der Vorteil ist, dass die Studierenden der Zusammenfassung der Ergebnisse besser folgen können und dadurch motiviert bleiben. Die Visualisierung ordnet die neu gewonnenen Lerninhalte, fasst die Ergebnisse zusammen und formuliert weitere Konsequenzen des neu Erlernten.
  5. Ausblick: Zum Schluss der Sitzung werden die Inhalte der nächsten Sitzung geklärt und etwaige Aufgaben verteilt.

3.2 Veranstaltungsformen/Seminarmethoden

Mit folgenden Veranstaltungs- und Lernformen arbeite ich in meiner Lehre (vgl. auch Anhang B):

  1. Textseminar
  2. handlungszentriertes Seminar
  3. frontale Lehrveranstaltung
  4. Referatsseminar
  5. problemzentriertes Seminar
  6. tele- und multimedialer Einsatz eines webbasierten Computerprogramms zur Unterstützung von Lernzusammenhängen

Ad a): Mit der Form des Textseminars sollen die Studierenden einerseits anhand von Originalquellen soziologischer Theoretikerinnen und Theoretiker zum Lesen soziologischer Texte angeregt werden und andererseits soll eine wissenschaftliche Textlektüre erlernt werden. Für die soziologische Forschung ist meiner Meinung nach die Lektüre, die Erfassung und die Interpretation von Primär-, aber auch von Sekundärliteratur besonders wichtig, denn hierbei werden soziologische Schlüsselbegriffe, Denkarten und Methoden vermittelt. Ebenso wird anhand der Textlektüre die Schlüsselqualifikation erworben, sich wissenschaftlichen Texten und Ausdrucksformen zu nähern und verstehen zu lernen. Die Texte sind für die Studierenden in einem Ordner in der Bibliothek jederzeit zu erreichen. Zur Textlektüre gebe ich den Studierenden ein “Hand-out” mit Hinweisen, die es für die Lektüre zu beachten gilt. Die “Fragestellungen zur Textlektüre” sollen zudem einen Anreiz im Sinne zielorientierten Lernens geben. Die Texte werden zunächst in kleinen Gruppen von drei bis fünf Teilnehmerinnen und Teilnehmern anhand der Fragestellungen zur Textlektüre besprochen. Anschließend wird in der gesamten Veranstaltung der Text diskutiert, wobei zentrale Textstellen zur besseren Orientierung und Vertiefung laut vorgelesen werden.
Ad b): Im handlungszentrierten Seminar verfolge ich das Ziel, anhand praxisbezogener Arbeiten Lernprozesse anzuregen, indem die besprochenen Theorien mit praktischen Handlungen in Beziehung gesetzt werden. Zumeist geschieht das in meinen Veranstaltungen dadurch, dass ich die Studierenden zu einer veranstaltungsbegleitenden empirischen Erhebung in Form von (Leitfaden-) Interviews ermuntere. Der Ablauf sieht folgendermaßen aus: Gemeinsam besprechen wir die Thematik und die Ziele der Erhebung und unsere bisherigen Fähigkeiten und Erfahrungen bezüglich empirischer Forschungen. Danach entscheiden wir mittels einer problemzentrierten Veranstaltungsform (siehe den Unterpunkt zur problemzentrierten Seminarform in diesem Abschnitt), welche Methode wir wählen und wie wir diese Methode anwenden. Die Studierenden erarbeiten (im Falle der Methode eines Leitfadeninterviews) zusammen in verschiedenen Gruppen spezifische Fragestellungen für das Leitfadeninterview, die dann gemeinsam besprochen werden und die synthetisiert den gesamten Interviewentwurf ergeben (vgl. exemplarisch Anhang E). Während der gesamten Veranstaltungsreihe gehen die Studierenden ins “Feld”, wobei in der Mitte des Semesters eine Sitzung für aufgetretene Probleme und deren Reflexion bzw. Lösung angeboten wird. Gegen Ende des Semesters werden die Ergebnisse der Erhebungen gemeinsam vorgestellt, interpretiert und ausgewertet. Ausgehend davon werden die Endergebnisse mit den im Seminar besprochenen Theorien in einen Zusammenhang gebracht.
Meines Erachtens liegt der Vorteil der Veranstaltungsform “handlungszentriertes Seminar” darin, dass den Studierenden — neben der Erfahrungssammlung für empirische Forschung — der Praxisbezug der Theorien verdeutlicht und die Fähigkeit erweitert wird, die Theorien in ihrem Sinngehalt zu verstehen. Ebenso wird die Motivation und die Begeisterung, sich mit den vorgestellten Theorien auseinander zu setzen, gesteigert.
Ad c): In der frontalen Lehrveranstaltung werden die Studierenden dazu angeregt, den Lerninhalt mit Hilfe eines Vortrags, begleitet von Tafelbildern, Skripten oder Folien, zu verstehen. Ich wähle diese Lernform insbesondere dann, wenn ich die Biographie und die Schlüsselbegriffe soziologischer Theoretikerinnen und Theoretiker vorstelle. Wenn bei den Studierenden — sei es durch Praxisbezug oder durch eine problemorientierte Einleitung — das Interesse für ein Thema geweckt wurde, ermöglicht eine frontale Veranstaltungsform, die nötigen Hintergrundinformationen zum Verständnis der Theoretikerinnen und Theoretiker sowie ihrer Werke zu gewinnen. Ferner soll dadurch ein einigermaßen homogener und gegenstandbezogener Kenntnisstand erreicht werden.
Ad d): Wenn die Lerninhalte in Form von Referaten vorgestellt werden, gebe ich den jeweiligen Referenten eine kleine Beratung und Hinweise für den Referatsaufbau. Beispielsweise versuche ich ihnen zu vermitteln, dass z.B. auch der Aufbau und die Struktur ein wichtiger Grundstein eines guten Referats darstellt. Ein Referat strukturiert sich dabei meines Erachtens durch: Aufmerksamkeit erlangen, Information zum Hintergrund von Theorien geben, Theorien vorstellen und Argumentationsstränge aufbauen und “Aha”-Erlebnisse initiieren. Bei der Veranstaltungsform “Referatseminar” verfolge ich das Ziel, dass die Studierenden angeregt werden, Themenkomplexe, Theorien oder wissenschaftliche Forschungsergebnisse in einer strukturierten und den wissenschaftlichen Standards entsprechenden Form wiederzugeben, Gelerntes zu verbalisieren und zu vermitteln. Ich halte die dabei erlernten Fähigkeiten, wie z.B. Planungs-, Argumentations- und Ausdrucksfähigkeit, für notwendige Schlüsselqualifikationen, die sowohl in der Forschung als auch im Berufsleben außerhalb der Universität von Bedeutung sind.
Nach jedem Referat gibt es als Rückmeldung und zur Verbesserung künftiger Vorträge eine Referatsnachbereitung, in der die Selbsteinschätzung des Referenten, studentisches “feedback” und mein Eindruck ausgetauscht werden.
Ad e): Eine problemzentrierte Seminarform verwende ich dazu, die Studierenden Probleme erkennen zu lassen und sich problemorientiertes Arbeiten anzueignen sowie Problemlösungsversuche einzuüben. Dies geschieht in meinen Veranstaltungen z.B. in der Anfangsphase des handlungszentriertem Seminars, wenn über verschiedene Methoden und Aspekte der Erhebung und Theorieanwendung nachgedacht wird. Folgende Abläufe werden dabei durchgeführt: Problemformulierung, Problempräzisierung (z.B. Sammlung von Informationen), Diskussion der Lösungsverfahren, Lösungsprozess, Lösungsanwendung.

Die genannten Veranstaltungsformen und Methoden variieren je nach dem Thema der Veranstaltungen im Allgemeinen und je nach dem Thema der einzelnen Sitzungen sowie den individuellen Lernprozessen der Studierenden im Besonderen.
Ad f): Sofern dies an der Uni vorhanden ist, benutze ich ein webbasiertes Computerprogramm zur Unterstützung von Lernzusammenhängen, das als Kommunikationsmittel aller an der Veranstaltung Beteiligten dient und einen offenen virtuellen Kommunikationsraum ermöglicht.  Dasdidaktisches Ziel dieses telemedialen und multimedialen Lehr- und Lernmittels ist, dass die einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich nicht nur zeit- und orts-unabhängig an Diskussionen beteiligen können und dazu angeregt werden, sondern ihnen auch eine stringente Vorstrukturierung und systematische Nachbearbeitung der inhaltlichen Auseinandersetzung ermöglicht wird.

 

4. Bemühungen zur Verbesserung der Lehre

Folgende Bemühungen zur Verbesserung der Lehre habe ich bisher unternommen und will sie weiterhin anwenden:

  1. regelmäßige Befragung der Studierenden
  2. Hospitationen anhand eines mit Kollegen erarbeiteten Beobachtungsbogens 
  3. Rückfrage an die Studierenden, feedback-Runden
  4. Besuch von Weiterbildungen und Teilnahme an hochschuldidaktischen Workshops 
  5. Gemeinsame Konzipierung und Durchführung von Veranstaltungen
  6. Besuch von Kongressen, Seminaren, Workshops/Weiterbildung hinsichtlich der Lerninhalte (z.B. Soziologiekongress der DGS)
  7. Koordinierung der Lehrinhalte mit Kolleginnen und Kollegen
  8. Lektüre von Didaktik-Büchern (z.B.: Ingrid N. Sommerkorn (Hg.), Lehren und Lernen in der Soziologie heute. Berlin 1990)
  9. Publikation von Lehrbüchern (z.B. meine Bücher “Praxis der Soziologiegeschichte” (2004), der UTB-Band “Französische Soziologie der Gegenwart” (hrsg. mit Lothar Peter) oder “Kultur” (aus der Einführungsreihe: “Einsichten. Themen der Soziologie/transcript Verlag)

Folgende Schritte unternehme ich, um meine Lehre weiterhin zu verbessern:

  1. weitere hochschuldidaktische Fort- und Weiterbildungen besuchen
  2. weitere Hospitationen bei und von Kolleginnen und Kollegen
  3. Erhebungen durchführen, die den Lernfortschritt der Studierenden aufzeigen
  4. Gremienarbeit, um auch auf der institutionellen Ebene bei der Entwicklung von geeigneten Rahmenbedingungen für Lern- und Bildungsprozesse mitzuwirken

Zur Ansicht: ein exemplarischer Semesterplan